Durch das Licht – Abstraktion in Frankreich

10.05.2019

11. Mai – 29. September 2019

Münster. Die Schau „Durch das Licht - Abstraktion in Frankreich“ setzt sich zum Ziel, die Malerei der französischen Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zu entdecken, die vom Abstrakten Expressionismus amerikanischer Prägung mehrheitlich aus den Museen verdrängt wurde. Die Ausstellung mit rund 100 Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen ist eine Kooperation zwischen dem Musée Granet, Aix-en-Provence, dem Museum Roubaix, La Piscine – Musée d’art et d’industrie André-Diligent und dem Kunstmuseum Pablo Picasso Münster.

„Wir untermauern mit der einzigen deutschen Ausstellungsetappe, dass diese Spielart der französischen Kunst der Nachkriegsjahre internationale Strahlkraft besaß und noch immer besitzt. Picasso war kein ausgesprochener Freund der Abstraktion, aber für drei Monate wird er wohl diese künstlerische Nachbarschaft ertragen“, führt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller aus.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg rangen einige französische Künstler um eine völlig neue Bildsprache, die die gegenständliche Welt hinter sich ließ. Sie schufen Strukturen und Farbsymphonien, die das Bild als gänzlich selbständige und eigengesetzliche Welt präsentierten. Jean Bazaine, Roger Bissière und Alfred Manessier gehörten ebenso zu dieser Gruppierung wie Elvire Jan, Gustave Singier und Jean le Moal. Gemeinsam beschritten sie den Weg in die Gegenstandslosigkeit. Die ihnen verliehenen Etiketten wie „Zweite École de Paris“ oder „abstrakte Landschaftsmalerei“ werden ihrer Vielgestaltigkeit jedoch kaum gerecht.

Die Ausstellung zeigt Werke einer Schweizer Privatsammlung und Exponate aus französischen und Schweizer Museen. Sie überspannen einen Zeitraum von vier Jahrzehnten ab den 1950er Jahren. Kubismus und Surrealismus prägten maßgeblich die Künstlerin Elvire Jan und ihre männlichen Kollegen, die sich erstmals im Jahr 1941 zu einer Ausstellung zusammenfanden. Alle in der Präsentation vertretenen Künstler haben Glasmalereien geschaffen. Die Arbeit in diesem Medium übte großen Einfluss auf ihr malerisches Schaffen aus. Insbesondere Alfred Manessier feierte mit seinen Fenster-Arbeiten für deutsche Kirchen (Essener Münster, Sankt Gereon, Köln, Liebfrauenkirche, Bremen) in den frühen 60er und 70er Jahre große Erfolge.

Ausstellungskurator Florian Rodari (Fondation Jean et Suzanne Planque) betont: „Die amerikanische Avantgarde in Gestalt des abstrakten Expressionismus und der Pop Art hat diese französischen Malerinnen und Maler ab den 70er Jahren von der Kunstbühne verdrängt. Dem klarsichtigen Blick eines Sammlers ist zu verdanken, dass wir die Zusammengehörigkeit dieser Gruppe von Künstlern in der Präsentation erfahren können. Sie arbeiteten zeitgleich nebeneinander, ohne jedoch eine Kunstbewegung im eigentliche Sinne zu bilden.“

Parallel zeigt das Picasso-Museum in der Studioausstellung „Picasso und die Nachkriegsmoderne“ mit Werken aus seinem eigenen Bestand Picassos künstlerisches Schaffen der 1950er- und 1960er-Jahre, das im Spannungsfeld der weltweiten Entwicklungen der Kunst der Gegenwart steht. Zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen politischem Engagement und dem Rückzug ins Private, zwischen massenmedialer Berühmtheit und der intensiven Auseinandersetzung mit der Kunst der Alten Meister kreiert Picasso ein einzigartiges, vielgestaltiges Werk, das sich gegenüber den künstlerischen Avantgardebewegungen der Nachkriegszeit immer wieder neu positioniert und erfindet. Anhand von Porträts, Stillleben und Akten vermittelt die Ausstellung einen intimen Einblick in Picassos künstlerische Strategien dieser Zeit.

Die Ausstellung thematisiert dabei Picassos künstlerische Beiträge zur documenta 1 und 2, bei der auch Werke von Jean Bazaine, Roger Bissière, Alfred Manessier, Jean Le Moal und Gustave Singier sowohl einem breiten deutschen als auch internationalen Publikum die Tendenzen der damaligen Gegenwartskunst der 1950er-Jahre vor Augen führen sollten.

Darüber hinaus beschäftigt sich die Schau mit unbekannten Seiten des künstlerischen Schaffens Picassos, wie die in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Bildhauer Carl Nesjar entstandenen Betonskulpturen, die – prominent im öffentlichen Raum in Weltstädten wie Amsterdam, Barcelona und New York platziert – ein spannendes Pendant zur brutalistischen Architektur der Nachkriegsmoderne repräsentieren.

Abgerundet wird der Ausstellungsparcours durch die cinematografische Auseinandersetzung der Regisseure der Nouvelle Vague mit dem spanischen Ausnahmekünstler, die durch ihre unkonventionelle Filmästhetik das Kino der 1950er- und 1960er-Jahre revolutionierten.

Fotos: Micha Richter/Picasso-Museum

Pressekontakt:
Birthe Sarrazin
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Picassoplatz 1
48153 Münster
Tel. 0251/41447-13
b.sarrazin@picassomuseum.de


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