Promis mit Schlafbrille

24.08.2012

Die Liste der von Freddy Langer porträtierten Promis ist lang und kann sich sehen lassen. In der Ausstellung „Lost Faces“ zeigt das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster vom 25. August bis 23. September 2012 rund 200 Fotografien, die der Frankfurter in den letzten dreißig Jahren aufgenommen hat. Künstlerporträts von Andy Warhol, Joseph Beuys, Georg Baselitz und vielen weiteren Kreativen machen seine Sammlung zu einem Who is Who der Gegenwartskunst. Begleitet werden sie von prominenten Gesichtern wie Harald Schmidt, Campino, Bono, Iris Berben, Anke Engelke, Wim Wenders, Richard von Weizsäcker. Und sie alle tragen eine Schlafbrille.

Die „Schlafbrillenstars“ lassen sich in der Ausstellung trotz Gesichtsverdeckung - meistens – wiederkennen und in verschiedene Gruppen einteilen: Tatortkommissare wie Jan Josef Liefers und Maria Furtwängler hängen ebenso an der Museumswand wie die Comedians Dirk Bach, Wigald Boning und Hape Kerkeling. Begleitet werden sie von Sportlern, Schriftstellern, Musikern und Schauspielern. „Prominente mit Schlafbrille zu fotografieren klingt komplizierter als es ist“, sagt Freddy Langer. Im Gegenteil. Viele, die er bat, für ein Porträt zu posieren, wurden überhaupt erst hellhörig, als sie von der Schlafbrille erfuhren - und mehr als einem von ihnen entfuhr die beruhigende Erkenntnis: „Wie schön! Man kann also gar nicht dumm in die Kamera schauen.“

Die Idee, berühmten Menschen eine Schlafbrille aufzusetzen und sie fotografisch festzuhalten, kam Freddy Langer vor 32 Jahren durch eine spontane Laune des Zufalls, als auf seinem Küchentisch eine Schlafbrille neben der Polaroidkamera lag. Schnell war klar: Dies wird eine Serie und die Jagd nach Trophäen hält seitdem an. Denn das Projekt sollte nicht enden, bevor sich nicht Madonna und der Papst die Schlafbrille für ein Bild über das Gesicht gezogen hätten.

Unter den wenigen Prominenten, die Freddy Langers Fotowunsch ablehnten, war übrigens der Künstler Christo. Seine Absage begründet er mit den Worten: „Ich lass mich doch nicht verpacken.“ Mit der Weigerung des Verpackungskünstlers erklärt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller den ästhetischen Kern der ausgestellten Fotografien: „Langers Bilder lassen viel Freiraum für die Fantasie des Betrachters, denn das Verhüllen ist meistens interessanter als das Enthüllen.“

Freddy Langer kam 1957 in Frankfurt zur Welt, ging in Frankfurt zur Schule, hat in Frankfurt studiert, lebt bis heute in Frankfurt und leitet den Reiseteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dass er dort den Reiseteil leitet, gibt ihm Gelegenheit genug, die Stadt hin und wieder zu verlassen. Das Schreiben ist sein Beruf, viele seiner Reportagen sind mittlerweile auch in Büchern erschienen und neuerdings sogar als Hörbuch („Alles zu Fuß“). Das Fotografieren hingegen ist ihm private Passion.

Picasso unter Druck
Grafiken aus dem Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Parallel zu „Lost Faces“ besinnt sich das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster in der Ausstellung „Picasso unter Druck“ (25.8.-23.9.2012) auf seine Wurzeln und präsentiert rund 100 Picasso-Grafiken aus eigenem Bestand. Die Werke stammen größtenteils aus der Sammlung Huizinga, die vor 12 Jahren den Grundstein für das Museum legte und zuletzt zur Museumseröffnung ausgestellt war.

„Heute – 60 Ausstellungen später – ist auch unser  Museumsbestand um einiges gewachsen“, berichtet Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. „Zu den 800 Lithografien der Eröffnungszeit gesellten sich viele weitere Grafik-Konvolute von Picasso und seinen Künstlerkollegen.“ Die Ausstellung „Picasso unter Druck“ zeigt einen abwechslungsreichen Querschnitt durch den großen Picasso-Fundus des Museums und damit durch das gesamte grafische Schaffen des spanischen Künstlers. Für Müller ist die Ausstellung ein echtes Heimspiel: „Die Highlights unserer Sammlung sind regelmäßig an ausländische Museen verliehen und dadurch häufig auf Reisen. Jetzt vereinen wir sie zu einem Spitzentreffen.“

Die Schau verdeutlicht Picassos künstlerisches Motto „Der Weg ist das Ziel“ anhand verschiedener Werkfolgen, in denen er die einzelnen Bildzustände Schritt für Schritt abdruckt. So reduziert er in der berühmten Stierserie einen prächtigen, muskulösen Stier in elf Schritten zu einem zarten Wesen aus wenigen Strichen. Zugleich geben die Bilder auch Auskunft über sein Privatleben: Die auf den Werken auszumachenden Gesichter gehören seiner Lebensgefährtin Françoise Gilot und seiner späteren Muse und Ehefrau Jacqueline Roque. 


Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr

Öffentliche Führungen:
Donnerstag 16:30 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertage: 15 Uhr und 16:30 Uhr

Eintritt:
7 €, ermäßigt 5 €

Pressekontakt:
Birthe Sarrazin
Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Picassoplatz 1
48143 Münster
Tel. 0251 / 41 44 713
b.sarrazin@picassomuseum.de


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