Honoré Daumier - Paris: Der Schein vom Sein

10.08.2009

22. August - 1. November 2009

Seinem künstlerischen Motto „Man muss auf der Höhe seiner Zeit sein“ scheint der französische Karikaturist Honoré Daumier (1808-1879) mehr als gerecht geworden zu sein. So lassen sich zum Beispiel seine Politikerkarikaturen auch zwei Jahrhunderte später ohne Weiteres auf den aktuellen Wahlkampf übertragen. Das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster feiert den Künstler in der Ausstel-lung „Honoré Daumier – Paris: Der Schein vom Sein“ (22. August – 1. November 2009).

Mit seinen satirischen Bildern begleitete und kommentierte Daumier das politische, soziale und kulturelle Leben seiner Heimatstadt Paris im 19. Jahrhundert. Rund 250 Werke, darunter Lithografien, Handzeichnungen, Skulpturen und ein Gemälde aus insgesamt fünf Pariser Museen und der größten deutschen Daumier-Privatsammlung, konnte das münstersche Picasso-Museum für die Schau gewinnen.

„Daumier griff bisweilen zu subversiven Bildmitteln, um die strenge Zensur zu umgehen“, erklärt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller die Ausnahmerolle des Künstlers. „Im Mittelpunkt seiner Kritik stehen vor allem die katastrophalen Hintergründe der französischen Monarchie.“ Aber auch die restliche Pariser Bevölkerung studierte der Künstler schonungslos. Egoistische Politiker und skrupellose Juristen fürchteten seine spitze Zeichenfeder ebenso sehr wie pfuschende Ärzte oder naive Bürger. Seiner Beobachtungsgabe, seinem psychologischen Einfühlungsvermögen und seinem zeichnerischen Können waren dabei keine Grenzen gesetzt.

Als Karikaturist der republikanischen Zeitung „Le Charivari“ („Katzenmusik“, „Radau“) schuf Daumier ab 1830 fast täglich neue Karikaturen. Am Ende seines Lebens hinterließ er schließlich ein künstlerisches Werk von knapp 4.000 Lithografien und 1.000 Holzschnitten.

Zu den Hauptwerken der Ausstellung zählen die Lithografien, in denen Daumier sich über den französischen König Louis Philippe und seine unstillbare Gier lustig macht. Die bisweilen strenge Pressezensur sollte ihm dabei zum Verhängnis werden. So brachte ihm das 1831 veröffentlichte Blatt Gargantua sogar eine Gefängnisstrafe ein. Das Werk zeigt den König als Steuern verschlingendes Monster, das auf der Toilette Orden und Ehrenzeichen ausscheidet. Auch Daumiers Erinnerungen an diese Haft sind in einigen Bildern der Ausstellung festgehalten.

Gleichzeitig beschreiben Daumiers Bilder eine Art „menschliche Komödie“ der kleinen und großen Schwächen seiner Landsleute. So zeigt die Ausstellung auch, wie sich der Künstler in Phasen verstärkter Zensur vermehrt den Widrigkeiten des Pariser Alltags widmete: den öffentlichen Verkehrsmitteln und Badeanstalten, dem Besuch von Opern, Theatern und Ausstellungen, den überteuerten Mieten und den Höhen und Tiefen des Ehelebens. Auch den modernen Massentourismus - inklusive Grippevirengefahr - wählte er bereits als Zielscheibe seines bildnerischen Spotts. Seine Bildwelt ist dabei stets gnadenlos entlarvend. Sie demaskiert und zeigt, dass im Großen wie im Kleinen „Schein“ und „Sein“ der Pariser Gesellschaft bisweilen weit auseinanderklaffen.

Ausstellungskatalog

Das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster veröffentlicht zur Ausstellung den Katalog „Honoré Daumier – Paris: Der Schein vom Sein“ (255 Seiten, rund 300 Abbildungen) im Kettler-Verlag. Der Katalog ist an der Museumskasse zum Preis von 29,80 € erhältlich. Bestellung unter Tel. 0251 / 41447-20.

Öffnungszeiten
Honoré Daumier – Paris: Der Schein vom Sein (22. August – 1. November 2009)
Di-So 10-18 Uhr

PRESSEKONTAKT
Birthe Schumacher, Graphikmuseum Pablo Picasso Münster
Königsstraße 5,
48143 Münster
Tel. 0251/41447-13
E-Mail: b.schumacher@graphikmuseum.de

 


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