Von Christo bis Kiefer – Die Collection Lambert, Avignon

31.05.2017

2. Juni – 1. Oktober 2017

Münster (1. Juni 2017). Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster präsentiert in der Ausstellung „Von Christo bis Kiefer – Die Collection Lambert, Avignon“ (02.06.-01.10.2017) rund 100 zeitgenössische Kunstwerke aus der Sammlung des Franzosen Yvon Lambert. Mit 40 internationalen Künstlern, darunter Christo, Sol LeWitt, Bruce Nauman, Julian Schnabel, Cy Twombly, Anselm Kiefer uva. gilt die Kollektion als eine der herausragensten zeitgenössischen Kunstsammlungen Europas. Das Picasso-Museum zeigt sie erstmalig in Deutschland.

“Yvon Lambert war Visionär und Talententdecker”, sagt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. “Er hat Brücken zwischen der amerikanischen und europäischen Kunst gebaut. Mit traumwandlerischer Sicherheit hat er das Potenzial gehoben, das in vielen jungen Künstlern steckte. Dass er uns als erstem deutschen Museum die Gelegenheit gibt, seine Schätze zu präsentieren ist ein großer Vertrauensbeweis, den es mit der Ausstellung einzulösen gilt.”

Yvon Lambert stammt aus dem südfranzösischen Vence. Mit 14 Jahren kaufte der junge Lambert sein erstes Kunstwerk und bezeugte hiermit sehr früh seine Leidenschaft für die Kunst. Später war er der erste europäische Galerist, der Werke von Cy Twombly präsentierte und  Kunstrichtungen wie Minimal Art, Land Art und Konzeptkunst in Europa bekannt gemacht hat. In den 1980er Jahren wandte er sich neueren Tendenzen der Figuration mit Künstlern wie Jean-Michel Basquiat, Miguel Barceló und Anselm Kiefer zu. In den 1990er Jahren rückte dann auch die Foto- und Video-Kunst mit Namen wie Nan Goldin und Douglas Gordon in den Vordergrund seines Interesses.

Aus seiner umfangreichen Sammlung, aus der er 2012 556 Werke dem französischen Staat vermachte, sind im Picasso-Museum großformatige Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Zeichnungen, Video- und Soundinstallationen ausgestellt.

Die Ausstellung präsentiert die verschiedenen künstlerischen Positionen der Kollektion unter sechs Themenaspekten: Den Besucher erwarten neben Themen wie „Kunst und Literatur“ und „Leben und Tod“ auch Räume mit den Titeln “Mythologie und Archäologie des Wissens“ und “Neue Figuration”. Hiermit folgt sie der sammlerischen Logik Lamberts, der nicht einfach einen musealen Kanon der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts zusammentragen wollte. Vielmehr behielt er Werke seiner Galerie für sich, wenn sie ihm gefielen, sammelte aber auch Künstler, die er nicht in seiner Galerie vertrat. Dem eigenen Bekunden nach wünschte er sich oftmals, dass die Kunstwerke nicht verkauft würden, um sie behalten zu können.

Unverkennbar schlägt die Ausstellung die Brücke zu vielen Künstlern, die bereits an den Skulptur Projekten der vergangenen Jahrzehnte teilgenommen haben, darunter Carl Andre, Douglas Gordon, Jenny Holzer, Sol LeWitt, Richard Long und Bruce Nauman. “Mit dem Werk „Pure Consciousness“ des japanischen Künstlers On Kawara machen die Skulptur Projekte diesen Sommer offiziell Station im Picasso-Museum”, erklärt Ann-Katrin Hahn, die das “Satellitenprojekt” als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Picasso-Museums begleitete.

Picasso und das Mittelmeer (2. Juni - 1. Oktober 2017)
Picassos künstlerisches Schaffen war zeitlebens eng mit der Kultur des Mittelmeerraumes verbunden. Mit rund 40 Radierungen, Malerbüchern, Lithografien, Linolschnitten, Gemälden und Keramiken aus den Sammlungen des Kunstmuseum Pablo Picasso Münster spiegelt die Ausstellung die verschiedenen Mentalitäten und Einflüsse des Mittelmeerraumes im Werk des Spaniers.

“Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums von Picassos Italienreise im Jahr 1917 wird Picassos Auseinandersetzung mit der Kunst und Kultur des Mittelmeerraumes in über 40 Ausstellungen in sieben verschiedenen Ländern zelebriert“, erklärt Alexander Gaude, der die Ausstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Picasso-Museums kuratiert hat. Zu den teilnehmenden Museen gehören neben den Picasso-Museen in Paris, Antibes, Barcelona und Málaga auch das Musée Mohammed VI in Rabat, das Benaki Museum in Athen und das MuCEM in Marseille. „Münster reiht sich mit einer thematischen Eigenbestandsausstellung in die internationalen Feierlichkeiten zu diesem Jubiläum ein“, so Gaude.

Picasso wurde 1881 an der westlichen Mittelmeerküste an der Costa del Sol in Málaga geboren. Die andalusische Hafenstadt steht beispielhaft für die kulturelle Vielfalt des Mittelmeerraumes: Von den Phöniziern gegründet, später Teil des Römischen Imperiums, im 8. Jahrhundert von den Mauren eingenommen und im Zuge der Reconquista Ende des 15. Jahrhunderts durch katholische Könige zurückerobert, bildet Málaga einen Schmelztiegel der Kulturen, in dem sich antike, christliche und islamische Einflüsse überlagern, befruchten und ergänzen. In diesem Zusammenhang charakterisierte der mit Picasso befreundete Dichter Guillaume Apollinaire den spanischen Maler als „römisch im Geiste und arabisch im Rhythmus“.

Um die Jahrhundertwende zog Picasso nach Barcelona, dessen Architektur, Literatur und Bildende Kunst vom „Modernisme“ bestimmt wurde, einer spezifisch katalanischen Ausprägung des Jugendstils. Picasso trat mit einer Vielzahl von Künstlern in Kontakt und erhielt im berühmten Künstlercafé „Els Quatre Gats“ (Die vier Katzen) seine erste Einzelausstellung.

Picassos Italienreise markierte 1917 den Beginn seiner intensiven künstlerischen Beschäftigung mit der Antike, bei der er sich von antiken Ausgrabungsstätten ebenso beeinflussen ließ wie von Motiven der griechisch-römischen Mythologie. Die Ergebnisse dieses Schaffens dokumentiert die Ausstellung mit „Ovids Metamorphosen“ und verschiedenen Minotaurus-Darstellungen aus seiner berühmten Radierfolge Suite Vollard.

Zwischen 1919 und 1939 verbrachte Picasso nahezu jeden Sommer an der Côte d’Azur, bevor er ab der Nachkriegszeit seinen Lebensmittelpunkt endgültig an die südfranzösische Mittelmeerküste verlegte. In seinen Ateliers in Vallauris und Cannes erschuf er ein von heiterer Lebensfreude geprägtes Spätwerk, dessen Bildwelten eine mediterrane Idylle beschreiben. Die Ausstellung verdeutlicht diese Schaffensphase mit Keramiktellern- und Vasen, Farblinolschnitten und Lithografien wie die „Zwei Frauen am Strand“ (1956).

Katalog
Zur Ausstellung “Von Christo bis Kiefer – Die Collection Lambert, Avignon” erscheint im Verlag Kettler ein Katalog in Deutsch und Englisch (200 Seiten, 29,90 Euro, Erscheinungstermin: Mitte Juni 2017).

Audioguide
Für die beiden Ausstellungen ist ein gemeinsamer einstündiger Audioguide auf Deutsch und Englisch an der Museumskasse erhältlich (Kosten: 3 Euro).

Erweiterte Öffnungszeiten
Während der Ausstellung “Von Christo bis Kiefer – Die Collection Lambert, Avignon”  und “Picasso und das Mittelmeer” ist das Picasso-Museum montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Öffentliche Führungen
täglich: 11 Uhr und 16:30 Uhr, Samstag und Sonntag zusätzlich um 15 Uhr
Öffentliche englische Führung: Samstags um 14 Uhr
Öffentliche niederländische Führung: jeden 1. Samstag um 14 Uhr

Kuratorenführung mit Ann-Katrin Hahn (Picasso-Museum)
Freitag, 23. Juni, und Freitag, 29. September 2017, um 17:30 Uhr

Pressekontakt
Birthe Sarrazin
Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Tel. +49 251 / 41 44 7 13
b.sarrazin@picassomuseum.de
www.kunstmuseum-picasso-muenster.de


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