Picasso - Sprachen der Kunst

26.08.2016

27.08.-23.10.2016
Pablo Picasso war zeitlebens ein großer Anhänger der asiatischen und orientalischen Kalligrafie, der formvollendeten Kunst des schönen Schreibens. Gerne bekundete er ironisch: „Wenn ich als Chinese geboren wäre, wäre ich kein Maler geworden, sondern Schreiber. Ich würde meine Bilder schreiben.“ Die Ausstellung „Picasso – Sprachen der Kunst“ untersucht bis zum 23. Oktober 2016 seinen künstlerisch-spielerischen Umgang mit dem Medium „Sprache“, das in Form von versteckten Anspielungen, Witzen, Wortspielen oder als konstruktiv-gestalterisches Element kontinuierlich in seinem Werk in Erscheinung tritt.

„Vom Kubismus, über den Surrealismus bis hin zur Plakatgestaltung des Spätwerks ist Picassos künstlerisches Schaffen sowohl von einem spielerischen als auch innovativen Umgang mit Buchstaben und Wörtern gekennzeichnet“; erklärt Alexander Gaude, der diese Ausstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Picasso-Museums mit Werken aus dem Eigenbestand des Hauses konzipiert hat.

In ihrem 1938 erschienenen literarischen Porträt „Picasso“ beschreibt die US-amerikanische Sammlerin, Schriftstellerin und Picasso-Vertraute Gertrude Stein dessen Verhältnis zur Kalligrafie: „Im Orient waren Kalligrafie, Malerei und Skulptur immer eng miteinander verwandt. In Europa hingegen war die Kalligrafie immer eine niedere Kunstform. Für Picasso, einen Spanier, ist die Kalligrafie jedoch eine Kunst.“ Insbesondere in seinem grafischen Werk macht er regelmäßig Gebrauch von kalligrafischen Elementen. In seiner interpretativen Gestaltung der Gedichte Pierre Reverdys und Luis de Góngoras kreiert er durch den grazilen Einsatz von Schrift, Zeichen und Linien Kunstwerke, die zu den Höhepunkten seines buchillustrativen Schaffens gehören.

Das in Kooperation mit dem Lyriker Pierre Reverdy zwischen 1946 und 1948 entstandene Künstlerbuch Le Chant des morts (Der Gesang der Toten) verweist darüber hinaus auf Picassos künstlerische Auseinandersetzung mit der Buchmalerei des Mittelalters. Zur Veranschaulichung dieses Zusammenhangs präsentiert die Ausstellung Le Chant des morts im Dialog mit drei mittelalterlichen Handschriften aus Münsteraner Sammlungen: Zwei Bibeln aus dem 11. bis 12. Jahrhundert aus dem Bibelmuseum der Westfälischen Wilhelms-Universität und ein Antiphonale, ein liturgisches Gesangsbuch aus dem 15. Jahrhundert, aus dem Bistumsarchiv, verdeutlichen Picassos stilistische Anleihen bei der mittelalterlichen Buchmalerei in Bezug auf die kalligrafische Gestaltung eines seiner außergewöhnlichsten Künstlerbücher. 

Außerdem beleuchtet die Präsentation Picassos Verhältnis zu zeitgenössischen Literaten wie Guillaume Apollinaire, Paul Valéry, Max Jacob, Albert Camus und Jean-Paul Sartre sowie seine künstlerische Auseinandersetzung mit berühmten Dichtern der Literaturgeschichte wie Honoré de Balzac oder William Shakespeare. Nicht zuletzt die von Picasso selbst verfassten surrealistischen Gedichte und Theaterstücke wie beispielsweise das 1941 konzipierte Stück „Wie man Wünsche beim Schwanz packt“ entführen den Ausstellungsbesucher in seine gleichermaßen schillernde als auch rätselhafte Welt der Sprache.

Pressekontakt:
Birthe Sarrazin
Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Picassoplatz 1
48143 Münster
Tel. 0251/4144713
b.sarrazin@picassomuseum.de


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