Der besondere Blick auf ...

... revolutionäre Visionen

Donnerstag, den 11. September 2014, 19:00 Uhr
Im Rahmen der Ausstellung
Die Revolution entlässt ihre Bilder - Von Malewitsch bis Kandinsky

Markus Kopf

„Als Michelangelo den David schuf, tat er dem Marmor Gewalt an, verunstaltete ein herrliches Stück Stein.“ (Kasimir Malewitsch)


Revolutionäre Visionen waren der Humus aus dem die Kunst Anfang des 20. Jahrhunderts, insbesondere im Russland der großen gesellschaftlichen Umwälzungen, entstand. Bildende Kunst, Architektur, Literatur, alle befanden sich in einem Zustand des Aufbruchs, der Beschleunigung, die neben den politischen Umbrüchen, nicht zuletzt dem technischen Fortschritt geschuldet war.

Ob der „Edisonsche Fonograf“, die „Elektrische“ oder die „Aeros“, von Tag zu Tag steigert sich das Tempo, die Gravitation wird überwunden, Zeitlupe und Zeitraffer, Objektive und Okulare erweitern den Blick. Ob Malewitschs Schwarzes Quadrat von 1913, El Lissitzkys Proun als Link von der Malerei zur Architektur, die Leinwand war zu eng geworden. Eine neue Stadt, eine neue Gesellschaft, ein neuer Mensch, ja eine neue Realität sollte erschaffen werden.

So ging der Künstler an die Konstruktion der Welt – und wurde von den Ideologemen seiner Zeit eingeholt: „…und neu – und wie zum ersten Male – tönt die alte gewaltige Hymne: Völker hört die Signale! … Futuristen-Glückauf! In den Nähten platzt der alte Frack jetzt untrüglich!“ schreibt der futuristische, russische Polit-Poet Wladimir Majakowski 1927 in seinem Oktober Poem zum zehnten Jahrestag der Oktoberrevolution.

Hier der Aufbruch in die Abstraktion, vorwärtsgetrieben durch künstlerische Konzepte wie die der Konstruktivisten, Futuristen oder Suprematisten, mit dem Ziel eines neuen „Weltaufbaus“ über alle Ländergrenzen hinweg. Dort gesellschaftliche und politische Realitäten, voller Repressionen und Willkür, die den Einzelnen verstummen lassen: „Der Philosoph ging unter den Bäumen spazieren und schwieg, denn die Inspiration hatte ihn verlassen“, resümiert der absurd-anarchistische Petersburger Autor Daniil Charms im Jahr 1937.

Spüren Sie an diesem Abend, gemeinsam mit Dramaturgin Christina Lahmann, einer Zeit der revolutionären Visionen nach, hören Sie zeitgenössische Original-Töne, vorgetragen vom Schauspieler und Sprecher Markus Kopf, und entdecken Sie, mit Kunsthistoriker Dr. Alfred Pohlmann, den Aufbruch in die bildnerische Abstraktion von Malewitsch bis Kandinsky.

Dauer ca. 45 Minuten, im Anschluss besteht die Möglichkeit zu einem Ausstellungsbesuch bis 20:30 Uhr. Die Veranstaltung findet in den Ausstellungsräumen statt.

Kartenvorverkauf ab 15.08.2014 während der Öffnungszeiten an der Museumskasse
(Dienstag bis Sonntag, 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr)
Eintritt: 15€ / 12€ ermäßigt


Nächster Termin: Donnerstag, der 13. November 2014 um 19:00 Uhr

Der besondere Blick - jeweils am zweiten Donnerstag eines Monats
(außer in den NRW-Schulferien)

denl    [Impressum]