Der Maler, der die Frauen anzog

21.11.2013

Münster. Henri Matisse (1869-1954) war der große Widersacher und Konkurrent Pablo Picassos in der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Spanier, der sich der Bedeutung des anderen sehr bewusst war, und der Franzose pflegten ein freundschaftliches Konkurrenzverhältnis. Picasso ließ nur ihn als ebenbürtig gelten und führte einmal aus:
„Im Grunde gibt es nur einen: Matisse.“

Vor diesem Hintergrund widmet das Museum die Sonderausstellung „Henri Matisse – Figur & Ornament“ dem Schaffen von Henri Matisse. Zahlreiche Reisen nach Algerien und Marokko inspirierten die Arbeiten des Malers nachhaltig.  Zurück in der französischen Heimat (nach dem ersten Weltkrieg ließ er sich der Gesundheit wegen im sonnigen Nizza nieder)  inszenierte er die islamische Welt frei nach seinen eigenen Vorstellungen. Er staffierte die Modelle und seine Ateliers mit orientalischen Kleidern, Stoffen und Teppichen aus. Matisse  nannte diesen Fundus  seine „Arbeitsbibliothek“.

„Matisse war sicherlich der Virtuose der Farbe, er war aber auch der Großmeister des Ornaments und des Dekorativen. Hierin hatte er eine große ästhetische Nähe zur islamischen Welt, die wir insbesondere in der Ausstellung beleuchten“ erläutert Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller.

Im Spannungsverhältnis zwischen „Figur und Ornament“ hebt die Ausstellung eine zentrale Thematik im Werk des großen Franzosen hervor. Die 90 Exponate decken insgesamt einen Zeitraum von 1917 bis in die späten 40er-Jahre ab, hauptsächlich konzentriert sich die Ausstellung jedoch auf die Jahre 1917 -1929, die so genannte Nizza-Periode. Stoffe und Kleider aus seiner Sammlung bilden hierbei einen besonderen Glanzpunkt der Ausstellung, da sie gemeinsam mit den Werken präsentiert werden, die sie inspiriert haben. Die ausgesuchten Textilien aus dem Besitz von Henri Matisse, werden in Münster erstmalig in Deutschland gezeigt.

In seinem Spätwerk, insbesondere in den grandiosen, farbigen Scherenschnitten, wird die menschliche Figur selbst arabeskenhaft verkürzt. Den künstlerischen Höhepunkt dieser Entwicklung bildet die Scherenschnittserie „Jazz“, der ein ganzer Raum gewidmet ist.*'

Die Highlightausstellung des Kunstmuseum Pablo Picasso Münster in diesem Winter konnte mit der Unterstützung der Westfälischen Provinzial Versicherung realisiert werden. Vorstandsmitglied Gerd Borggrebe führt dazu aus: „Die Westfälische Provinzial Versicherung engagiert sich bereits seit mehreren Jahrzehnten für Kunst und Kultur in Westfalen. Mit der Förderung der Sonderausstellung Henri Matisse - Figur & Ornament  möchten wir einen Beitrag dazu leisten, Westfalen als bedeutende Kulturregion und attraktiven Wirtschaftsraum zu profilieren.“

Die Leihgaben stammen aus großen amerikanischen und europäischen Museen und Sammlungen, unter anderem aus dem Columbus Art Museum in Ohio. Neben zahlreichen Privatsammlungen ist das Musée Matisse in Nizza Hauptleihgeber der Präsentation. Ergänzt werden die Kunstwerke durch ausgewählte Fotografien, die Matisse mit seinen Modellen im Atelier bei der künstlerischen Arbeit zeigen.


Picasso kommt mir spanisch vor
Werke aus dem Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Parallel zur Matisse-Ausstellung präsentiert das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster Werke aus seinem eigenen Bestand. Unter dem Titel „Picasso kommt mir spanisch vor“ kombiniert die Schau eine Vielzahl an Grafiken, in denen sich der Künstler thematisch mit seinen spanischen Wurzeln auseinandersetzt: Hierbei stehen neben den allgegenwärtigen Stierkampfdarstellungen auch Illustrationen zu Klassikern der spanischen Literatur wie beispielsweise „Don Quichote“ im Zentrum der Präsentation.

 


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