Picasso Linolschnitte - Im Rausch der Farbe
& Bangkok Cable Ways

18.03.2011

19.3.-3.7.2011

Picasso liebte künstlerische Experimente. Vor allem auf dem Gebiet der Grafik probierte er immer wieder neue Techniken aus. Sein letztes großes grafisches Abenteuer begann 1954, als er den Linolschnitt für sich entdeckte. Indem er kräftige, leuchtende Farben verwendete, gelang ihm, was keinem anderen zuvor gelang: Er machte den Linolschnitt zu einer großen Kunstform. Die Ergebnisse seiner Auseinandersetzung präsentiert das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster mit rund 70 Werken in der Ausstellung „Picasso Linolschnitte – Im Rausch der Farbe“ (19.3.-3.7.2011).

Thematisch bleibt sich der Spanier in seinen Linolschnitten treu: Die Werke führen den Besucher durch eine Bildwelt aus Stierkampfszenen, antiken Darstellungen und Porträts. Technisch ging er dabei wie gewohnt seinen eigenen Weg. Zahlreiche Zustands- und Probedrucke lassen Picassos unkonventionelles und experimentierfreudiges Vorgehen erkennen. Puzzleartig druckte der Spanier einzelne Bildbereiche mit unterschiedlichen Platten und Farben. „Seine großformatigen Grafiken wirken durch ihre farbige Leuchtkraft wie Gemälde“, erklärt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. „Damit hat Picasso dem Linolschnitt den Adelsbrief ausgestellt.“

Eines der Hauptwerke der Ausstellung, „Faune und Ziege“ aus dem Jahr 1959, belegt Picassos Vorgehensweise eindrucksvoll. Gleich fünf verschiedene Linolplatten verwendete der Künstler für das Bild, deren Entstehungsphasen durch einzelne Zustandsdrucke in der Ausstellung dokumentiert werden. Ab 1959 ging Picasso zu einem neuen Farbverfahren über, in dem er schrittweise seine Motive aus einer einzelnen Platte herausschnitt und anschließend druckte. Jede gedruckte Variante wurde beim Weiterarbeiten zerstört. „Picasso hat seine Platte nach und nach weitergeschnitten“, erklärte Picassos langjähriger Drucker Hidalgo Arnéra. „Ich hätte nichts mehr tun können, wenn der Druck schief gegangen wäre. Wenn ich den Druck verpfuscht hätte, wäre es aus gewesen.“

Die zwischen 1954 und 1968 entstandenen Werke sind Leihgaben des Londoner Sammlers und Picasso-Grafik-Spezialisten Dr. Frederick Mulder. „Die Bilder dokumentieren vor allem das reife Schaffen Picassos und gleichzeitig atmen sie die fast jugendliche Beschwingtheit eines Künstlers, der mit über 70 Jahren noch einmal „Lehrling“ in einer von ihm unerprobten Technik wurde“, sagt Müller.

Bangkok Cable Ways
Parallel präsentiert das Picasso-Museum 14 Arbeiten des Fotografen Thomas Kalak. Sein fotografischer Blick richtet sich auf die scheinbar banalen Dinge des Alltagslebens. In der Serie „Bangkok Cable Ways“ dokumentiert er die in der Mega-Metropole allgegenwärtigen Strom- und Kommunikationskabel, die über den Köpfen der Menschen ihr Eigenleben zu führen scheinen.

Kalak entscheidet sich bei seiner Arbeit für eine getreue Abbildung der Wirklichkeit. Schnappschussartig und mit unprätentiöser Bildsprache setzt der Fotograf die verworrenen Kabel in Szene. Aus einem alltäglichen Phänomen wird in Kalaks Bildserie schnell ein bedrohliches Szenario: Unkontrolliert drängen sich die wüsten, dreckigen Kabelmassen in den Lebensraum der Menschen – unaufhaltsam und rücksichtslos jagen sie über Plakatwände, vergittern den Himmel und besetzen Häuser.

„Kalak ist ein professioneller Virtuose der Kamera“, sagt Museumsleiter Müller über den Fotografen. „Er lebt im Transit, die Welt ist sein Zuhause. Seine Reisen als Fotograf führen ihn immer wieder in ferne Länder und Kulturkreise.“ Geboren wurde der in München lebende Thomas Kalak 1965 in Münster. Als Skater gehörte er seit 1980 zum engsten Kreis um Titus Dittmann. Gemeinsam mit ihm gründete Kalak das „Monster Magazin“. Mehrere Male nahm er in den 80erJahren an der Skate-WM „Münster Monster Mastership“ teil und wurde regelmäßig als bester Europäer ausgezeichnet.


Kataloge zu beiden Ausstellungen sind an der Museumskasse erhältlich:
„Picasso Linolschnitte – Im Rausch der Farbe“, in dt. und engl. Sprache, 191 Seiten, 29,80 €
„Bangkok Cable Ways“, deutsch, 31 Seiten, 9,80 €
Ein Audioguide ist an der Kasse für 5 € erhältlich.

Öffnungszeiten: 
Di-So und Feiertage 10-18 Uhr, Montag geschlossen
Ostermontag, Pfingstmontag und 1. Mai geöffnet

Öffentliche Führungen:
Di-Fr: 16:30 Uhr, Sa, So und Feiertage: 15 Uhr und 16:30 Uhr

Pressekontakt:
Birthe Sarrazin
Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Tel. 0251 414 47-13, Fax: 0251 414 47-77
E-Mail: b.sarrazin@picassomuseum.de
www.kunstmuseum-picasso-muenster.de


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