HAP Grieshaber - Die andere Moderne

12.06.2009

14. Juni - 16. August 2009

Mit der Schau "HAP Grieshaber - Die andere Moderne“ (14.6.-16.8.2009), die sich aus Leihgaben einer münsterschen Privatsammlung zusammensetzt, beleuchtet das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster anlässlich seines 100. Geburtstages das grafische Schaffen von Helmut Andreas Paul Grieshaber (1909-1981), der nach dem Zweiten Weltkrieg führend zur künstlerischen Neuinterpretation des Holzschnittes beitrug.

„HAP Grieshaber gelang eine besondere kunsthistorische Leistung“, so Museumsleiter Prof. Markus Müller. „Er befreite die altehrwürdige Gattung des Holzschnittes von ihren traditionellen Fesseln und entwickelte sie zum künstlerischen Medium der Moderne.“ Gleichzeitig galt Grieshaber unter den deutschen Künstlern seiner Zeit als politisch besonders engagiert. Die rund 100 in der Ausstellung präsentierten Werke spiegeln dieses gesellschaftliche Bewusstsein. Unter den aus den Jahren 1947 bis 1980 stammenden Bildern sind neben großformatigen Einzelblättern und bekannten Mappenwerken wie dem Totentanz von Basel oder dem Osterritt auch weniger bis kaum bekannte Drucke und Malbriefe. Das Fundament für Grieshabers künstlerische Tätigkeit bildete seine Lehre als Buchdrucker und Schriftsetzer. Zeit seines Lebens schuf er buchillustrative und gebrauchsgrafische Arbeiten, die auch in der Ausstellung prominent vertreten sind.

Picasso als Vorbild
Auch wenn Holzschnitte im Zeitalter digitaler Drucktechniken antiquiert wirken mögen, viele der ausgestellten Werke zeigen: Trotz altertümlicher Technik gelang Grieshaber in der motivischen und farblichen Gestaltung seiner Werke eine oft überraschend moderne Umsetzung, die den Arbeiten seiner Zeitgenossen in nichts nachsteht, wie punktuelle Vergleiche mit Werken von Henri Matisse, Pablo Picasso und Henri Laurens in der Ausstellung verdeutlichen. Grieshabers Bilder zeigen, dass die großen Maler der Moderne ihm als Orientierung dienten und er seinen Stil entlang bereits vorhandener Malrichtungen und Techniken entwickelte. Seine typische Farb- und Formensprache belegt aber auch, dass es ihm stets gelang, aus den künstlerischen Anregungen seiner Vorbilder eine eigene, ganz unverwechselbare Bildwelt zu formen.

Berufsverbot während der Nazi-Diktatur
Aufgrund seiner kritischen Einstellung gegenüber den Nationalsozialisten stand Grieshaber während der Hitler-Diktatur unter Beobachtung und durfte offiziell nicht künstlerisch tätig werden. Umso bedeutender war seine Position als künstlerischer Akteur der Nachkriegsmoderne: In einer Zeit, die von Debatten über die Abstraktion geprägt war, nahm er durch das Festhalten an der Figuration und sein politisches Engagement eine Ausnahmerolle in der Kunst dieser Jahre ein. Besonders durch seine ausgeprägte pazifistische Haltung befasste er sich schon früh mit Themen, die erst durch die 68er-Bewegung von der großen Masse diskutiert wurden. So schuf er immer wieder politisch motivierte Arbeiten, die sich mit der Bekämpfung von Diktaturen, dem Erhalt der Freiheitsrechte oder der Stärkung des Umweltschutzes befassten.
Aber auch seine unakademische Lehrauffassung als Dozent an der Bernsteinschule und später an der Karlsruher Akademie entsprach eher einem noch kommenden Jahrzehnt als dem Mainstream seiner Zeit.

Ausstellung zeigt Grieshabers Original-Druckstöcke
Drei der Original-Druckstöcke des Künstlers sind in der Ausstellung „Die andere Moderne“ im Picasso-Museum zu sehen. Grieshaber verwendete sie für ein Motiv aus seiner Werkreihe Der Totentanz. Für jede Farbe des Bildes nutzte er einen Druckstock. Im Gegensatz zu anderen Künstlern, die ihre Druckstöcke nach Gebrauch durch ein eingeritztes Kreuz unbrauchbar machten, war Grieshaber dafür bekannt, dass er seine Stöcke mehrfach und für unterschiedliche Bilder verwendete. 


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