Die Zukunft der Vergangenheit
Moderne Fotografie im 19. Jahrhundert

01.05.2009

1. Mai - 7. Juni 2009

Mit der Ausstellung „Die Zukunft der Vergangenheit – Moderne Fotografie im 19. Jahrhundert“ präsentiert das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster vom 1. Mai bis 7. Juni 2009 erstmalig die private Fotosammlung des Stuttgarter Sammlers Rolf Mayer. Die Schau ist den Entdeckern der Fotografie gewidmet und spiegelt die bis heute anhaltende Faszination für ein Medium, das die Welt innerhalb kurzer Zeit entscheidend veränderte.

„Für den Betrachter des 21. Jahrhunderts liefern die rund 130 Werke der Ausstellung eine bislang ungewohnte Sichtweise auf die Fotokunst des 19. Jahrhunderts“, so Museumsleiter Prof. Markus Müller. Denn nicht die historische Entwicklung der Fotografie steht im Vordergrund der Schau, sondern die Frage, inwieweit Bildstrategien des 20. Jahrhunderts bereits in Bildern des 19. Jahrhunderts zu sehen sind.

Die Bilder von William Henry Fox Talbot, Eugène Cuvelier, Eugène Atget u.a. weisen eine Strenge und Sachlichkeit auf, die dem Mainstream des 19. Jahrhunderts zuwider läuft. „Die Fotografen, die in der Sammlung zu sehen sind, nahmen auf diese Weise unwissentlich die Moderne vorweg. Das macht sie für mich so spannend und das erklärt auch den widersprüchlichen Titel der Schau“, erklärt Sammler Rolf Mayer. So wirkt der in den 1880er Jahren entstandene Abzug einer Eisenbahnbrücke als entstamme er einem Fotoband aus den 1960er Jahren, als beispielsweise Bernd und Hilla Becher begannen, die ästhetischen Qualitäten industrieller Bauten fotografisch zu inszenieren. Die Aufnahme einer Eukalyptuspflanze der  Gebrüder Alinari hingegen scheint die Ästhetik der in den 1920er Jahren aufkommenden Neuen Sachlichkeit vorweg zu nehmen und lässt an Pflanzenstudien von Karl Blossfeldt denken.

Zahlreiche Fotografien belegen das im 19. Jahrhundert aufkommende archäologische Interesse und die Faszination, die die kahlen Landschaften und exotischen Stätten des noch unergründeten Ägyptens auf europäische Reisende ausübten. Andere Arbeiten wiederum sind Zeugnisse für den wissenschaftlichen Forschergeist und den technischen Fortschritt, der die heute als selbstverständlich geltenden Aufnahmen erst möglich machte. Fotografien dieser Zeit sind immer auch ein Experimentieren mit den verschiedenen fotografischen Verfahren selbst. Die von Alphonse Louis Poitevin verwendete Technik des Fotogramms beispielsweise erreichte erst 40 Jahre später durch Man Ray ihre eigentliche Blütezeit.

„Das zentrale Werk der Schau ist das Bild ‚Sewastopol’ von Roger Fenton“, erklärt Rolf Mayer. Es handelt sich dabei um die Darstellung eines Schlachtfeldes des Krimkrieges aus dem Jahr 1855. Mayer erwarb das Bild ursprünglich für seine erste Fotosammlung, deren Ästhetik sich an der Malerei der damaligen Zeit orientierte. Die Kargheit der Kriegslandschaft widersprach dieser Romantik jedoch ganz offensichtlich, weshalb Mayer sich vorerst wieder von dem Bild trennte. Doch der offensichtliche Bruch des Werkes mit dem gängigen Stil der damaligen Zeit und die auffallende Nüchternheit beeindruckten den Sammler nachhaltig, weshalb er es Jahre später erneut erwarb – nun zu einem sehr viel höheren Preis. Das Werk wurde zum Auslöser für eine neue Sammlung, mit der Mayer aufzuspüren versucht, ob es sich bei der klaren Sachlichkeit zahlreicher früher moderner Fotografien um einen Zufall oder um ein gültiges Phänomen handelt. Die Ergebnisse sind bis 7. Juni 2009 im Münsteraner Picasso-Museum zu sehen.

Für das museumspädagogische Rahmenprogramm hat das Museum ein eigenes kleines Fotostudio aufgebaut, in dem Kinder, Familien und Schulklassen mit Fotopapier, Entwickler und Wasserbad experimentieren und die Welt für immer festhalten können.

Katalog
Ein Katalog zur Ausstellung ist im Museumsshop für 24,90 € erhältlich. Telefonische Katalogbestellung unter Tel. 0251 41447-10.


Öffnungszeiten
Montags geschlossen, Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr

Eintritt
Erwachsene: 6 €
Ermäßigt: 4 €
Studententag: Dienstags zahlen Studierende nur 2 € Eintritt.

Öffentliche Führungen
Donnerstags: 16:30 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage 15 Uhr und 16:30 Uhr
Anmeldung und Information unter Tel. 0251 41447-10


Pressekontakt
Birthe Schumacher
Graphikmuseum Pablo Picasso Münster
Tel.: 0251 41 447-13 
Fax: 0251 41 447-77
E-Mail: b.schumacher@graphikmuseum.de

Zum Download von Abbildungen und Pressetexten:
www.graphikmuseum-picasso-muenster.de
Presselounge (Benutzername: Besucher, Passwort: Picasso)


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