"Le Corbusier - Zeichnen als Spiel" und "Picasso - Lust/Objekt"

12.02.2016

Le Corbusier (1887-1965) – mit bürgerlichem Namen Charles-Édouard Jeanneret – ist der Wegbereiter der architektonischen Moderne. Der Franko-Schweizer prägte durch seine visionären Ideen die Auffassung vom modernen Bauen, Wohnen und Leben in der Großstadt. Neben seiner Tätigkeit als Architekt und Autor blieb sein künstlerisches Schaffen von der Öffentlichkeit dagegen weniger beachtet. Le Corbusier selbst betonte jedoch immer wieder, dass seine Architektur auf seinem malerischen und zeichnerischen Werk basiere und ohne dieses nicht vorstellbar sei: „Jeder Tag meines Lebens war zu einem Teil dem Zeichnen gewidmet. Auf der Suche nach den Geheimnissen der Form habe ich unaufhörlich gezeichnet und gemalt.“

Mit der Präsentation „Le Corbusier – Zeichnen als Spiel“ (13. Februar bis 24. April 2016) stellt das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster die Zeichnungen des Künstlers in den Fokus einer groß angelegten Retrospektive, deren Bedeutung Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller betont: „In Kooperation mit der Fondation Le Corbusier und dem Picasso-Museum in Antibes zeigen wir Le Corbusier aus einer ungewohnten Perspektive, nicht als Architekten, sondern als Bildenden Künstler.“ Mit 146 Werken handelt es sich um die weltweit größte Ausstellung mit Zeichnungen aus der Fondation Le Corbusier.

Die Schau präsentiert alle Themen und Techniken der erfindungsreichen Formensprache Le Corbusiers und verweist zugleich auf seine künstlerischen Vorbilder: Frühe Stillleben erinnern an kubistische Werke Pablo Picassos und ausladend-schwungvolle Frauendarstellungen an die üppigen Gestalten Fernand Légers. Die Ausstellung stellt den Zeichnungen Muscheln, Steine und Gläser aus Le Corbusiers privater Sammlung gegenüber, die ihm beim künstlerischen Arbeiten als Inspirationsquelle dienten.

Die Münsteraner Präsentation spannt einen Bogen von frühen Reiseskizzen des 20jährigen bis hin zu großflächigen Werken des späten Le Corbusier aus dem Jahr 1954, als er bereits ein weltweit anerkannter Architekt ist, von der schnellen Zeichnung bis hin zu Entwürfen für Wanddekorationen und Bildteppichen.

Le Corbusier betonte kontinuierlich den Stellenwert der Zeichnung für sein Gesamtwerk: „Für den Künstler ist die Zeichnung die einzige Möglichkeit, sich uneingeschränkt mit dem Geschmack, den Äußerungsformen der Schönheit und des Gefühls zu beschäftigen. Die Zeichnung ist ein Mittel, das zu verarbeiten, was er beobachten, verstehen und anschließend übersetzen und ausdrücken möchte.“

Die leihgebende Fondation Le Corbusier in Paris wurde noch zu Lebzeiten vom Künstler selbst gegründet und beherbergt über 6.500 seiner Werke.

Picasso – Lust/Objekt (13.2.-24.4.2016)
Parallel zeigt das Picasso-Museum in der Ausstellung „Picasso – Lust/Objekt“ 36 der schönsten grafischen Stillleben aus seinem Eigenbestand. Die abgebildeten Gläser, Flaschen und Schalen, Blumen und Früchte, Türknäufe und Fensterläden, Lampen, Pfeffermühlen und Muscheln erzählen kleine Anekdoten aus Picassos privater Welt. „Vom einfachen Reisegeschenk über Objekte mit biografischem oder gar politischem Symbolgehalt: Picassos Dingwelten laden seine Bilder mit einer Vielzahl von Bedeutungen auf, die im Rahmen dieser Ausstellung zur Entdeckung und Entschlüsselung einladen“, kündigt Alexander Gaude an, der die Schau als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Picasso-Museums zusammengestellt hat.

In seinem Atelier sammelte und arrangierte Picasso unablässig Gegenstände, deren Formen und Farben ihn zu neuen Bildschöpfungen inspirierten und die er kontinuierlich in seinem druckgrafischen Schaffen einzufangen versuchte. Durch die Darstellung von vitalen Meerestieren und üppigen Blumenbouquets, aber auch Totenschädeln und vergilbten Büchern, setzt der spanische Ausnahmekünstler die Fülle des Lebens mit dessen Vergänglichkeit in Einklang – alles im Zeichen der nie enden wollenden künstlerischen Neugier, der Freude am Sehen und der Lust am Objekt.

Der Besucher erhält einen umfassenden Einblick in Picassos Stillleben, die, so der Picasso-Kenner John Richardson, ein Genre in seinem reichhaltigen Werk repräsentieren, „das er gründlicher behandeln und mit mehr Phantasie weiterentwickeln sollte als irgendein anderer Maler der Geschichte.“

Katalog:
Zur Ausstellung „Le Corbusier – Zeichnen als Spiel“ erscheint ein eigener Katalog (Editions Hazan, 160 Seiten, 135 Abbildungen, deutsch, englisch, französisch, 27 Euro).

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

Öffentliche Führungen:
Samstag, Sonntag, Feiertage: 15 Uhr und 16:30 Uhr
Niederländische Führung: jeden 1. Samstag im Monat
Private Führungen auf Anfrage

Pressekontakt:
Birthe Sarrazin
Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Picassoplatz 1, 48153 Münster
Tel. 0251/41447-13
Fax: 0251/41447-77
b.sarrazin@picassomuseum.de
www.kunstmuseum-picasso-muenster.de


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