Cocteau trifft Picasso

17.07.2015

Jean Cocteau und Pablo Picasso waren fast ein halbes Jahrhundert miteinander befreundet. Ihr Kennenlernen 1915 in Paris verglich Cocteau mit einem Stromschlag, der das Leben und Schaffen der beiden für immer verändern sollte. Hundert Jahre nach ihrer ersten Begegnung erinnert das Picasso-Museum in der großen Ausstellung „Cocteau trifft Picasso“ (18.7.-18.10.2015) mit rund 400 Grafiken, Zeichnungen und Künstlerbüchern an die facettenreiche und äußerst kreative Freundschaft zwischen den beiden Künstlern.

Cocteau öffnete Picasso die Türen der mondänen Pariser Welt, beide reisten 1917 mit dem En-semble des „Ballet russes“ nach Italien und durch ihre schöpferische Zusammenarbeit entstand im selben Jahr nach einer Idee von Cocteau das legendäre Ballett „Parade“, für das Picasso kubis-tisch inspirierte Kostüme und das Bühnendekor entwarf. Die zwei Künstler teilten die Leidenschaft für griechische Mythologie und in Cocteaus Film Le testament d'Orphée erscheint Picasso sogar kurz vor Cocteaus Kamera.

Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller beschreibt Jean Cocteau als schöpferischen Tausendsassa: „Cocteau war Dichter, Dramatiker, Essayist, Maler, Zeichner und Keramiker in einer Person. Schreiben ist für ihn Zeichnen und Zeichnen wiederum eine Art zu schreiben.“ Wortgewaltig vertei-digte Cocteau die Kunst Picassos, der sich im Gegenzug von dessen Sprachwitz künstlerisch in-spirieren ließ und auch selber literarisch aktiv war, indem er surrealistische Gedichte und mehrere Bühnenstücke schrieb.

Die Ausstellung „Cocteau trifft Picasso“ stellt das Schaffen der beiden Freunde und ihre wechsel-seitige Befruchtung dialogisch gegenüber: Von der Porträtkunst über mythologische und erotische Themen zu Stierkampf, Zirkus und Theater präsentiert die Schau die gemeinsamen Leidenschaften der beiden, die sie in ganz unterschiedliche Bildsprachen übersetzten. Die Werke stammen aus dem Kunstmuseum Pablo Picasso Münster und aus der privaten Cocteau-Kollektion des griechi-schen Sammlers Ioannis Kontaxopoulos, deren Arbeiten bisher noch nie in Deutschland gezeigt wurden. „Einen Teil dieser Sammlung möchte ich Markus Müller für das Picasso-Museum im An-schluss an die Ausstellung als Dauerleihgabe übergeben“, kündigt Kontaxopoulos an. So werden zukünftig 50 Originalzeichnungen von Cocteau die Grafikbestände des Museums erweitern und neben Picasso, Braque und Chagall ein neues Zuhause in Münster finden.

 „Moderne Zeiten – Léger trifft Chaplin“
Parallel dazu präsentiert das Picasso-Museum zwei weitere große Künstler in der Ausstellung „Moderne Zeiten – Léger trifft Chaplin“. Fernand Léger war zeitlebens ein großer Bewunderer Charlie Chaplins. In seinem Film „Ballet Mécanique“ – einem der Meilensteine des Experimentalfilms – setzt Léger Chaplin durch die Kreation einer tanzenden Holzpuppe, die er auf den Namen „Charlot cubiste“, also „kubistischer Tramp“ taufte, ein avantgardistisches Denkmal. Insbesondere das Spätwerk von Fernand Léger, der in den 1930er- und 40er-Jahren in New York lebt, scheint immer wieder ein zentrales Thema aus den Filmen Chaplins aufzugreifen: das Leben im modernen Großstadtalltag. So bevölkern Bauarbeiter auf Stahlgerüsten in schwindelerregender Höhe, Nacht-schwärmer im Lichte gigantischer Reklametafeln, Menschen im Schwimmbad und modisch geklei-dete Radfahrer seine Bildkompositionen. „Die Ausstellung präsentiert neben dem zeitlosen Experimentalfilmklassiker „Ballet Mécanique“ Fernand Légers leuchtend- farbenfrohe Lithografien seines Spätwerks, die in einen spannenden Dialog mit dem filmischen Schaffen Charlie Chaplins treten“, kündigt Museumsmitarbeiter und Kurator Alexander Gaude an.

Katalog
Zur Ausstellung „Cocteau trifft Picasso“ erscheint ein deutsch-französischsprachiger Katalog im Hirmer Verlag. 264 Seiten, 340 Abbildungen, 35 Euro.

Öffnungszeiten
Di-So, Feiertage 10-18 Uhr, montags geschlossen

Pressekontakt
Birthe Sarrazin, Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, Tel. 0251/4144713, b.sarrazin@picassomuseum.de


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