Von Menschen, Hunden und Flimmerkisten

28.02.2014

Münster.  Das Picasso-Museum startet  mit gleich zwei humorvollen Sonderausstellungen in das Frühjahr 2014. Die Bilder des großen Fotografen Elliott Erwitt sprechen ebenso für sich wie die des Ausnahmekünstlers Pablo Picasso – dennoch ist es immer wieder erstaunlich, was neue Blickwinkel und Kontexte hervorbringen. Zum Beispiel „Ein Künstlergenie, das zur Prime Time vor dem Fernseher sitzt – diese Tatsache entthront Picasso keinesfalls“, erläutert  Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller, „sie macht ihn noch menschlicher, noch genialer. Alles ist bei ihm Rohmaterial für die Kunst.“

Elliott Erwitt – eine Retrospektive
Das Picasso-Museum zeigt im Reigen seiner alljährlichen Fotoausstellung in diesem Jahr den ame-rikanischen Fotografen Elliott Erwitt. Er verkörpert einen Typus von Fotograf, den es kaum mehr gibt. „Einen, der sein Herz nahe am Auge hat“, so beschrieb das Kunsthaus Wien Erwitt 2012 tref-fend.  Der aktive Magnum-Fotograf vertritt die Überzeugung, dass die „ganz guten Bilder jederzeit und überall passieren können.“ Seine einfühlsamen und oft lustigen Fotos von Menschen und Tie-ren im Alltag haben dem in New York lebenden Fotografen den liebevollen Beinamen „Woody Allen der Fotografie“ eingetragen. Als Sohn jüdischer Emigranten wird Elliott Erwitt 1928 in Paris geboren. Seine ersten zehn prägenden Lebensjahre verbringt er in Mailand. Auf der Flucht vor den Nazis verschlägt es die Familie nach Amerika. Erwitt wird Army-Fotograf und nach seiner Entlassung 1953 bietet ihm der legendäre Fotograf  Robert Capa an, Mitglied bei der Foto-Agentur Magnum zu wer-den (deren Präsident er von 1963 bis 1969 ist). Seine journalistischen Arbeiten, in denen er bei-spielweise Kennedy oder Nixon porträtierte, sind von hoher ästhetischer und zeitdokumentarischer Bedeutung. Seit den 70er-Jahren betätigt er sich vermehrt als Werbefotograf, auch Werbespots, Features und Dokumentarfilme gehören zum breiten Spektrum seines Repertoires. Erwitt, der stets auch nur zu seinem eigenen Vergnügen fotografiert, ist heute 85 Jahre alt.

Picasso sieht fern!
Auch Jahrhundertgenies hängen zuweilen gerne mal vor der Glotze. Das Fernsehen hält ab den 60er -Jahren Einzug in Pablo Picassos südfranzösische Wohnsitze La Californie und Notre-Dame-de-Vie. Die Geräte erhalten jeweils einen Platz im Herzen des Hauses - der Meister ist interessiert.
Es entfacht Picassos Schaffensfuror in besonderer Weise: innerhalb von nur 7 Monaten kreiert Pi-casso 347 Radierungen und Aquatinten (die „Suite 347“), in denen sich sein Fernsehkonsum künst-lerisch niederschlägt.
Neben tagespolitischen Ereignissen wie den Mai-Unruhen oder Ansprachen de Gaulles, sowie Über-tragungen von Ringkämpfen und Zirkusvorstellungen, sind es aber insbesondere  Unterhaltungs-filme, die Picasso inspirieren. Vor allem mag er Abenteuerfilme. Sandalenfilme und Mantel-und-Degen-Serien üben nachhaltig Einfluss auf seine Bildthemen aus. So zappt  Picasso mit der Radier-nadel durch Sujets und Epochen und erschafft in spielerischer Leichtigkeit die letzte große Grafik-folge seines Lebens. 
Im Rahmen dieser einzigartigen, in Deutschland erstmalig präsentierten Ausstellung, treten ausge-wählte Werke aus der Suite 347  mit Film- und Fernsehausschnitten in Dialog.

Laufzeit: 1. März - 18. Mai 2014
Eintritt: 10 € / erm. 8 €

Öffnungszeiten
Di - So und Feiertage 10-18 Uhr, Montag geschlossen

Öffentliche Führungen
Donnerstag 16:30 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage: 15 Uhr und 16:30 Uhr

Der Besondere Blick
In einer wechselnden Kombination aus Führung, Lesung und Musik werfen Kunsthistoriker, Schau-spieler und Musiker ihren „besonderen Blick“ auf die Künstler und Themen der aktuellen Ausstel-lungen. Die Veranstaltung findet immer am zweiten Donnerstag im Monat um 19:00 Uhr  statt. Termine:  13.03., 10.04. und 08.05.2014.
(Die Veranstaltung am 13.3.2014  ist bereits ausverkauft,  deshalb findet ein ZUZSATZTERMIN am 20.03. statt)
Preis: 15 €, ermäßigt: 12 €. Karten können an der Museumskasse erworben werden. Der Vorverkauf beginnt 4 Wochen vor der jeweiligen Veranstaltung.


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