Picasso und die Corrida

10.03.2009

Picasso-ABC zeigt Stierkampfszenen

Parallel zur aktuellen Helmut Newton-Ausstellung präsentiert das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster auch Werke aus seinem eigenen Bestand. Mit dem „Picasso ABC“ greift das Museum in ständigem Wechsel verschiedene künstlerische Themen aus dem Leben und Werk Picassos auf, um sie anhand exemplarischer Grafiken zu illustrieren. Nach den Auftaktthemen „A wie Atelier“ und „B wie Bordell“ erwarten die Besucher bis 7. Juni 2009 nun unter „C wie Corrida“ rund 30 seiner berühmten Stierkampfszenen.

 

„Mit den Stierkampfbildern präsentieren wir das zentrale Lebensthema Picassos“, kündigt Museumsleiter Markus Müller an. „Das Malen eines Werkes war für ihn wie der Kampf in einer Arena.“ Als regelmäßiger Zuschauer war Picasso begeistert von den Abläufen des archaischen und zugleich eleganten Kampfes zwischen Tier und Mensch - eine Faszination, die sich durch sein gesamtes Werk zieht und in seinen grafischen Arbeiten einen besonderen Platz einnimmt.

 

Sieben Bilder der 1959 publizierten Grafik-Serie „Tauromaquia“ lassen die Geschehnisse einer tobenden Stierkampfarena vor den Augen der Betrachter lebendig werden. Picasso schuf die Bilder als Illustration zu einem gleichnamigen Stierkampflehrbuch aus dem Jahre 1976, dessen Autor José Delgado zu den berühmtesten Toreros seiner Zeit gehörte. Erstmalig beschrieb er die Regeln, nach denen der spanische Stierkampf im Wesentlichen bis heute durchgeführt wird. Picasso knüpft mit diesen Bildern an das Werk seines Landsmannes und Vorbildes Goya an, der sich bereits 1815 von der gleichen literarischen Vorlage hat inspirieren lassen.  

 

 

„Mit der Tauromaquia-Serie erreicht das Stierkampf-Thema einen Höhepunkt in Picassos Werk“, so Müller. „Nach jahrelanger Auseinandersetzung mit der „Corrida“ konnte er in diesen Bildern sein gesamtes Wissen vereinigen.“ Die Radierungen schuf Picasso in einem wahren Schaffensrausch innerhalb weniger Stunden. Sie spiegeln seine Eindrücke, die er kurz zuvor bei einem Oster-Stierkampf in Arles gewinnen konnte.

 

Auch die komplette Stierserie aus dem Jahre 1945/46 präsentiert das Museum mit dem „Picasso-ABC“. „Diese aus elf Werken bestehende Serie zählt zu den berühmtesten Grafikfolgen des Künstlers“, so Müller. „Sie bildet gleichzeitig den Auftakt zu Picassos so genanntem „lithografischem Fieber“, jener Schaffensphase nach Ende des Zweiten Weltkrieges, in der er sich vermehrt der druckgrafischen Technik der Lithografie zuwandte.


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