Helmut Newton

06.03.2009

Werke aus einer Bremer Privatsammlung

8. März - 26. April 2009

Helmut Newton zählt zu den erfolgreichsten und bestbezahlten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Seine Bilder sprengten in den 1960er Jahren die Grenzen der traditionellen Werbefotografie. Wie kein anderer spielt er in seinen Bildern mit weiblichen Rollenmustern und Klischees. Er inszeniert meisterlich den voyeuristischen Blick auf den weiblichen Körper. 100 seiner Werke zeigt das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster vom 8. März bis zum 26. April 2009 in der Ausstellung „Helmut Newton – Werke aus einer Bremer Privatsammlung“.

„Helmut Newton ist der unangefochtene Großmeister der Aktfotografie“, erklärt Museumsleiter Prof. Markus Müller. Aus der Modefotografie kommend nutzte er seine Aufträge, um eigene fotografische Fantasien in Szene zu setzen. „Wir zeigen das gesamte Spektrum seiner Arbeit. Sowohl seine großformatigen, lebensgroßen Aktbilder als auch Porträts berühmter Persönlichkeiten wie Naomi Campbell und Monica Bellucci und weniger bekannte Polaroids sind in der Ausstellung zu sehen.“ Die Ausstellung spannt einen zeitlichen Bogen im Schaffen Newtons von 1970 bis 2002 und gibt Einblick in das bewegte Leben des Fotografen. Zuvor waren die Werke in der Bremer Weserburg ausgestellt und damit erstmalig als Sammlung der Öffentlichkeit präsentiert worden.

Auch die berühmtesten Arbeiten Newtons sind im Picasso-Museum zu sehen: Die zwischen 1980 und 1993 entstandene Serie „Big Nudes“ wurde durch die lebensgroßen Fahndungsfotos der Baader-Meinhof-Terroristengruppe angeregt, die Newton auf Zeitungsfotos eines Polizeibüros entdeckte. Seine daraufhin entstandenen Frauenakte nannte er ebenfalls zunächst „Die Terroristinnen“. Nachdem er die Negative auf zwei Meter vergrößerte, gab er ihnen den Namen „Big Nudes“.

Helmut Newton – eine bewegte Biografie
Als Helmut Neustädter wurde Newton 1920 in eine jüdische Berliner Familie hineingeboren. Seine Leidenschaft galt schon früh der Fotografie. Als 16jähriger ging er bei der berühmten Berliner Modefotografin Yva (Else Simon) in die Lehre, die später von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet wurde. Newton selbst konnte rechtzeitig aus Deutschland fliehen. Auf Bestreben seiner Mutter verließ er 1938 das Land Richtung Singapur. 1940 wurde er von dort wegen seiner deutsch-jüdischen Herkunft nach Australien deportiert, wo er zwei Jahre in einem Lager verbrachte und anschließend den Armeedienst absolvierte.

In Melbourne eröffnete er anschließend sein erstes Fotostudio – nun unter dem Namen Helmut Newton – und fotografierte unter anderem für die australische „Vogue“. Auch seine zukünftige Ehefrau June Brunell alias Alice Springs lernte er hier kennen und lieben. Gemeinsam gingen sie Ende der 50er Jahre zurück nach Europa. In Paris begann bald seine Karriere als Fotograf für verschiedene große Modezeitungen wie die „Vogue“, die „Elle“ und die „Queen“. Sein provokanter Stil setzte sich schnell von den gängigen Fotos der damaligen Zeit ab und seine Auftraggeber mussten häufig feststellen, dass Newton die Mode in seinen erotischen Aufnahmen meist zum Beiwerk degradierte.

In den 1970er und 80er Jahren erschienen Newtons berühmten Bildbände „White Woman“, „Sleepless Nights“ und „Big Nudes“, mit denen er sich endgültig von der Modefotografie löste und als künstlerischer Fotograf etablierte. Seine Bilder lösten jedoch heftige Reaktionen aus: Die einen verehren sein fotografisches Können, die anderen werfen ihm vor, seine Bilder seien sexistisch. „Bullshit! Ich liebe die Mädels, das alles ist ein feministisches Missverständnis“, versuchte Newton selbst einmal seine Kritiker zu beruhigen. „Bei mir bleiben die Frauen immer Sieger.“

„Ich habe eine eingebaute Notbremse, die mich davon abhält, die Schwelle zur Pornografie zu überschreiten“, erklärt er. Von den Meinungen seiner Kritiker ließ Newton sich jedoch nicht irritieren. Auch ließ er sich nie von abgebildeten Models oder Prominenten in seine fotografischen Konzepte reinreden. „Nur zweimal habe ich mich dazu bereit erklärt, Fotos zur Genehmigung vorzulegen“, erklärt Newton, „bei Madonna und bei Elizabeth Taylor.“

2003 überließ Newton über 1.000 seiner Werke der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, wo sie seitdem das Fundament der Helmut Newton-Stiftung bilden. Hiermit folgte er dem Beispiel des mit ihm befreundeten Galeristen und Kunstsammlers Prof. Heinz Berggruen, der gleichfalls als in Berlin gebürtiger deutscher Jude mit seiner Sammlung nach Deutschland zurück kehrte. 2004 verstarb Helmut Newton bei einem Autounfall in Hollywood.
 
Ein Katalog zur Ausstellung ist im Museumsshop für 19,80 € erhältlich.


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