Marc Chagall

13.11.2008

Der Maler am Fenster

Unter dem Titel „Marc Chagall – Der Maler am Fenster“ präsentiert das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster in Kooperation mit dem Musée national Marc Chagall, Nizza, und der Réunion des musées nationaux, Paris, rund 100 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken von Marc Chagall. Bis 4. März 2009 illustriert die Ausstellung den individuellen Umgang des Künstlers mit der Tradition des Fensterbildes.

„Das Fenster ist eines der ältesten Motive der Kunstgeschichte“, so Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. „Auch im künstlerischen Werk Chagalls ist es über alle Schaffensjahre hinweg eines der zentralen Bildthemen. Sein gesamter Künstlerkosmos ist geprägt von Fenstern und Öffnungen, die von seinen Bildprotagonisten scheinbar mühelos überflogen oder durchquert werden.“

Die Münsteraner Ausstellung beleuchtet das Fenstermotiv in seiner Komplexität und seinem Facettenreichtum: Im Werk Chagalls ist es einerseits Sinnbild für das Kunstwerk schlechthin als imaginäres Fenster zur Welt. Andererseits verweist es als Bild im Bilde auf die verschiedenen Lebensstationen des Künstlers zwischen Russland und Südfrankreich. Die gezeigten Werke spannen einen zeitlichen Bogen von Chagalls frühen Arbeiten bis zu seinem Spätwerk - angefangen mit einem Werk aus seiner weißrussischen Heimat Witebsk bis zu einem Atelierbild, das nur wenige Jahre vor seinem Tod entstand. Die Ausstellung bietet damit einen Überblick über gut 70 Jahre im Schaffen des Malers.

Den Besucher erwarten intime Einblicke in die poetische Bildwelt von Marc Chagall, in der Traum und Wirklichkeit, Biografie und Mythos eine unvergleichliche Verbindung eingehen. Das Fenster ist im künstlerischen Universum Chagalls viel mehr als nur eine Raumschwelle zwischen innen und außen – es ist zugleich die Trennung zwischen Traum und Realität, zwischen himmlischen und irdischen Wesen.

Die bereits im Musée national Marc Chagall in Nizza gezeigte Ausstellung vereint hochkarätige Leihgaben aus der Tretjakow-Galerie in Moskau, dem Atheneum Taidemuseum in Helsinki und dem Centre Georges Pompidou in Paris. Eröffnet wird die Münsteraner Aus-stellung von der in der Schweiz lebenden Chagall-Enkelin Meret Meyer Graber, die dem Picasso-Museum zusätzlich einige sehr selten gezeigte Werke aus ihrer privaten Sammlung für die Ausstellung zur Verfügung stellte. Zusätzlich sind Werke der dem Haus von der Sparkasse Münsterland Ost als Dauerleihgabe überlassenen Sammlung zu sehen.

Chagalls Werke suchen auch nach den Antworten auf die grundlegenden Fragen der Malerei, etwa nach der Behandlung des Lichts und dessen Bedeutung, schließlich auch nach der Rolle und dem Standort des Künstlers in der Welt. In der Auseinandersetzung mit beiden Fragen reiht Chagall sich in eine lange kunsthistorische Tradition ein.

Marc Chagall wurde 1887 als Jude im heutigen Weißrussland geboren. Als er sich dafür entschied, Künstler zu werden, war dies gleichbedeutend mit einem Aufbegehren gegen das im Judentum übliche Darstellungsverbot. Damit isolierte er sich von seiner unmittelbaren Umgebung, seiner Familie und seiner jüdischen Gemeinde. Der in seinen Werken dargestellte Blick aus dem Fenster steht für diese Distanzierung. Der Mensch, der aus dem Fenster schaut, bemächtigt sich des Rechts zu sehen und andere etwas sehen zu lassen.

Das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster ist eine Stiftung der Sparkassen in Westfalen-Lippe, der WestLB AG, der Westfälischen Provinzial-Versicherung und der Eheleute Gert und Jutta Huizinga.

 

 

 


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