Fliegendes Brautpaar in Paris

29.07.2008

Maeght-Ausstellung zeigt Chagall im Graphikmuseum
 
Das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster präsentiert vom 1. August bis 2. November 2008 in der Sonderausstellung „Maeght: Das Abenteuer der Moderne“ 173 bekannte Kunstwerke des 20. Jahrhunderts. Die Grafiken, Gemälde und Skulpturen von Braque, Chagall, Giacometti und Miró stammen aus dem französischen Kunstimperium der Familie Maeght. Bis zur Eröffnung stellt das Graphikmuseum die künstlerischen Höhepunkte der Ausstellung in einer Serie vor. Der Künstler Marc Chagall ist mit 12 Werken in der Münsteraner Präsentation vertreten. Er galt als besonderer Intimus der Maeght-Familie.

Unter den Künstlern des 20. Jahrhunderts gilt der 1887 im heutigen Weißrussland geborene Chagall als der große Magier und Kolorist. „Unter seinen Händen waren Farben, Formen und Figuren ständig in Bewegung“, schwärmt Museumsleiter Professor Markus Müller. „Pablo  Picasso hat einmal anerkennend über ihn geäußert: ‚Wenn Matisse stirbt, wird Chagall der einzige Maler sein, der noch weiß, was Farbe ist.’“

Die Mehrzahl der in Münster ausgestellten Werke kreisen um die französische Metropole Paris.  Der Künstler war 1910 aus seiner weißrussischen Heimat in die Hauptstadt Frankreichs gekommen. Es war jedoch keine Liebe auf den ersten Blick. „Nur die Entfernung, die zwischen Paris und meiner Heimatstadt liegt, hat mich abgehalten, sofort wieder zurückzukehren“, beklagte sich Chagall über die neuen Lebensumstände, mit denen er zunächst nicht zurecht kam. Nachdem er aus dem amerikanischen Exil 1948 nach Paris zurückkehrte, bezeichnet er Paris als seine zweite Heimat. „Damals hatte ich erkannt, dass ich nach Paris gehen musste. Die Erde, die die Wurzeln meiner Kunst genährt hatte, war Witebsk; aber meine Kunst brauchte Paris so nötig wie ein Baum das Wasser. Ich hatte keinen anderen Grund, meine Heimat zu verlassen, und ich glaube, ihr in meiner Malerei immer treu geblieben zu sein.“

Der in der Ausstellung gezeigte vierteilige „Paravent“ hat Chagall durch Aufkleben einer großformatigen Farblithografie gestaltet, die er 1963 anfertigte. Typische Chagall-Motive wie der Blumenstrauß, das fliegende Brautpaar und die Sonne sind vor der Stadtkulisse Paris aufgebaut. Wie so häufig überblendet Chagall auch hier Plätze der Stadt mit Darstellungen von Liebespaaren oder verschiedenen Gestalten aus Mythos und Religion. Chagall bezeichnete die Überlagerung der verschiedenen Bild-Motive als „vierte Dimension“ seiner Kunst.

Bildunterschrift: Marc Chagall, Paravent, 1963, 1470 x 470 x 40 mm, Farblithografie, © VG Bild-Kunst Bonn 2008, © Foto: Fondation Maeght, Saint-Paul


zurück zur Übersicht