Ein Künstler bleibt sich treu

28.07.2008

George Braque in der Ausstellung „Maeght: Das Abenteuer der Moderne“

Das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster präsentiert vom 1. August bis 2. November 2008 in der Sonderausstellung „Maeght: Das Abenteuer der Moderne“ 173 bekannte Kunstwerke des 20. Jahrhunderts. Die Grafiken, Gemälde und Skulpturen von Braque, Chagall, Giacometti und Miró stammen aus dem französischen Kunstimperium der Familie Maeght. Bis zur Eröffnung stellt das Graphikmuseum die künstlerischen Höhepunkte der Ausstellung in einer Serie vor. Mit dem Künstler George Braque verbanden die Maeghts eine besonders enge Freundschaft. Braque war es auch, der die Familie auf die Idee brachte, in Gedenken an ihren früh verstorbenen Sohn eine eigene Kunststiftung zu gründen. 

„Die präsentierten Werke spannen einen Bogen von den frühen kubistischen Braque-Grafiken bis hin zu den klassisch inspirierten Werken des reifen Künstlers“, berichtet Museumsleiter Professor Markus Müller. Insgesamt sind in der Ausstellung 18 Werke des 1882 in Paris geborenen Malers und Grafikers zu sehen, darunter ein Gemälde, zwei Skulpturen und 15 Grafiken. 

Weltberühmt wurde George Braque neben Picasso und Cézanne für die Entwicklung des Kubismus, dem wohl größten künstlerischen Abenteuer des 20. Jahrhunderts. Durch Braques Einberufung als Soldat in den Ersten Weltkrieg im Jahre 1914 nahm dieses Experiment jedoch ein abruptes Ende“, erklärt Müller. „Als Braque schwer verletzt aus dem Krieg zurück kam, hatte sein Malerkollege Picasso bereits eine künstlerische Wende vollzogen und dem Kubismus den Rücken gekehrt.“ Im Werk Braques sind keine derart radikalen Stilwandlungen auszumachen. Zwar folgt er dem Zeitgeschmack der 20er Jahre, indem er sich auf klassischere Themen besinnt. Die unräumliche Auffassung der Bildfläche als Überbleibsel seiner kubistischen Bildlogik bleibt jedoch bis in die späten Schaffensjahre des Künstlers spürbar.  

Braque war dafür bekannt, dass er ganz alltägliche Dinge in eine „feierliche Bildarchitektur“ einbaute. Eines der Hauptwerke der Ausstellung, das 1961 entstandene, großformatige Werk „Der Vogel im Blattwerk“, ist ein typisches Beispiel für dieses künstlerische Prinzip. Die Gestaltung der Bildfläche aus collagierten Zeitungsseiten erinnert dabei an die früheren kubistischen Gestaltungsweisen des Künstlers. Dominiert wird das Bild von der groben dunklen Silhouette eines Vogels. 

„Der Vogel und der Raum beschäftigen mich schon lange. In meinen letzten Arbeiten war ich vom Raum und der Bewegung wie besessen“, erklärte Braque. Er bezieht sich damit auf ein beliebtes Thema in seiner Kunst. „Braques Vogelgemälde aus den 50er Jahren sind charakteristisch für das malerische Spätwerk des Künstlers“, so Müller. „Er inszeniert mit dieser Reihe die Gegensätze zwischen Statik und Bewegung. Das Motiv des Vogels steht dabei für ein Paradoxon. Es  betont die grundlegende Herausforderung eines Künstlers, Bewegung in einem statischen Werk und räumliche Weite in einem begrenzten Bildfeld darzustellen.“ 

Braque entwickelte seine Ideen häufig in größeren Schaffenszyklen. Über längere Zeiträume hinweg bearbeitete er seine Bildthemen immer wieder aufs Neue. Auf verschiedensten Ebenen wurden Motive von ihm künstlerisch durchdekliniert. Der „Vogel im Blattwerk“ reiht sich in eine Werkfolge ein, in der Braque einen sich im Fluge dem Nest nähernden Vogel inszeniert.  

Braque starb 1963, also ein Jahr vor der Eröffnung der Fondation. Durch mehrere Werke, die er extra für die Fondation schuf, nahm er dennoch gestalterischen Anteil an der Entwicklung der Stiftung in Saint-Paul, die heute zu einem der schönsten Museen der Welt zählt.


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