Eine Frau strebt in den Himmel

21.07.2008

Maeght-Ausstellung im Graphikmuseum zeigt Giacometti-Skulptur

Das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster präsentiert vom 1. August bis 2. November 2008 in der Sonderausstellung „Maeght: Das Abenteuer der Moderne“ 173 bekannte Kunstwerke des 20. Jahrhunderts. Die Grafiken, Gemälde und Skulpturen von Braque, Chagall, Giacometti und Miró stammen aus dem französischen Kunstimperium der Familie Maeght. Bis zur Eröffnung stellt das Graphikmuseum die künstlerischen Höhepunkte der Ausstellung in einer Serie vor. Der 1901 in der Schweiz geborene Künstler Alberto Giacometti war ein unverzichtbarer Bestandteil des Maeght-Universums. Weltberühmt wurde er für seine langen, zerbrechlich wirkenden Skulpturen, deren übertriebenen Körperproportionen zu seinem Markenzeichen wurden.

Giacometti war ein besonders vielseitiger Künstler und Bildhauer. „Seine berühmten Skulpturen gelten als Gallionsfiguren seines bildhauerischen Schaffens“, erklärt Museumsleiter Professor Markus Müller. „Er wollte Menschen so abbilden, wie er sie sah.“ Das war jedoch oft mit mühsamer Arbeit verbunden. Der Künstler arbeitete teilweise wochenlang an kleinen Details seiner Skulpturen, bevor er alles wieder verwarf und von vorne begann. Er sah darin einen Prozess der ständigen Verbesserung. Auf diesem Wege kam er immer näher an seine künstlerischen Vorstellungen heran. Vor allem faszinierte ihn die Frage der Ähnlichkeit, das Vermögen, die Realität in ihrer Gesamtheit wiederzugeben oder – besser noch – sie zu enthüllen. „Das Abenteuer, das große Abenteuer, das ist, jeden Tag, im gleichen Gesicht, etwas Unbekanntes erstehen zu sehen“, beschreibt der Künstler selbst seine Arbeit. „Das lohnt alle Reisen rund um die Welt.“
 
Die Ausstellung „Maeght: Das Abenteuer der Moderne“ zeigt die Skulptur „Frau für Venedig I“ aus der 1956 entstandenen gleichnamigen Reihe. „Die gen Himmel strebende Plastik wirkt unnahbar und erinnert in ihrer Fremdheit  an eine primitive afrikanische Gottheit“, erklärt Markus Müller. Die Skulpturenserie umkreist eine einzige Skulptur aus Ton, an der der Künstler fünf Monate lang arbeitete. An den Tagen, an denen er mit seiner Arbeit zufrieden war, ließ er den jeweiligen Zustand in Bronze gießen. So entstanden 15 weibliche Aktfiguren, die der Künstler entweder zur Biennale schickte (daher der Titel) oder in die Kunsthalle Bern, wo 1956 jeweils eine Ausstellung geplant war.

Der Kunsthändler Aimé Maeght und der Künstler Alberto Giacometti waren privat wie beruflich eng miteinander verbunden. Dem außergewöhnlichen Instinkt seines Freundes und Galeristen verdankt Giacometti seine erste öffentliche Anerkennung. Auf eigene Kosten ließ Maeght die ersten Bronzegüsse der großen Giacometti-Skulpturen anfertigen.

Die wohl bekannteste Skulptur Giacomettis, ein schreitender Mann, ist auf der Schweizer 100-Franken-Banknote zu sehen. Der Künstler gestaltete diese wie so viele seiner Skulpturen mit einem auffälligen Klumpfuss und erinnert damit an sich selbst. Nach einem Autounfall 1938 hatte Giacometti einen Gehfehler – ein Trauma, dass er in seiner Kunst zu verarbeiten versuchte.


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