Kunst unter Freunden

27.06.2008

„Maeght: Das Abenteuer der Moderne“ ab August im Graphikmuseum

Das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster präsentiert vom 1. August bis 2. November 2008 in der Sonderausstellung „Maeght: Das Abenteuer der Moderne“ über 170 bekannte Kunstwerke der Moderne, darunter Grafiken, Gemälde und Skulpturen von Braque, Chagall, Giacometti und Miró. Die Werke stammen aus dem französischen Kunstimperium der Familie Maeght. Die umfassende Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des französischen Präsidenten, Nicolas Sarkozy, und ist die größte Präsentation, die die Familie Maeght bisher in Deutschland realisiert hat. Bis zur Eröffnung stellt das Graphikmuseum die Familie Maeght und die künstlerischen Höhepunkte der Ausstellung in einer Serie vor.
 
Das Ehepaar Aimé und Marguerite Maeght gründete im Paris der Nachkriegszeit eine Galerie, die schnell zu einer der großen Adressen für Moderne Kunst wurde. Heute zählen die Maeghts zu den bedeutendsten Kunstsammlern des 20. Jahrhunderts. Über 12.000 moderne Werke sind in ihrer Sammlung enthalten. 1964 gründeten die Maeghts in Saint-Paul an der Cote d’Azur die Fondation Maeght, die erste Stiftung für Moderne Kunst in Frankreich.

Die Maeghts waren mit den von ihnen ausgestellten Künstlern nicht nur als Galeristen, sondern auch privat sehr eng verbunden. Neben Henri Matisse und Pierre Bonnard gehörte der Spanier Joan Miró zu den besonderen Freunden der Familie. Ihre Stiftung enthält 150 seiner Werke und ist damit die größte Miró-Sammlung der Welt.

Der 1893 in Barcelona geborene Künstler Miró war zuerst als Buchhalter tätig, bevor er nach einem Nervenzusammenbruch seinen Beruf aufgab und ein Kunststudium begann. Joan Miró und Aimé Maeght trafen 1948 aufeinander. „Er ist kein Kunsthändler, sondern ein Freund. Er hat mir sehr viel geholfen“, beschreibt Miró die besondere Beziehung zwischen den beiden Männern. Der Spanier verbrachte viele Sommer bei den Maeghts auf deren Familiensitz in Saint-Paul, wo er sich neben der Malerei vor allem mit der Grafik beschäftigte. Für seine berühmten, übergroßen Bilder ließ die Familie Maeght dem Künstler sogar eine überdimensional große Druckpresse bauen. „Das wird grandios sein, wie unsere romanischen Kirchen in Katalonien,“ äußerte sich Miró enthusiastisch über die technische Neuerung. Begeistert taufte er die Presse auf den Namen seiner Frau Pilar.

Viele der bekannten Miró-Bilder entstanden bei den Maeghts in Saint-Paul, darunter auch das Gemälde „La marche pénible“. Es kostete den Maler einige Anstrengungen, ein derart monumentales Werk zu schaffen. Mit fast vier Metern Breite ist es das größte Bild der Ausstellung. Mit dicker, schwarzer Konturierung zeigt es eine Reihe farbig gefüllter, an orientalische Kunst erinnernder Kreise. Die abstrakten schwarzen Formen suggerieren einen langsamen, aufstrebenden Gang. Auf den zweiten Blick ähnelt die kalligrafische Formensequenz einer sich im Geburtszustand befindlichen, primitiven Schrift.

Neben den klaren Farben Rot, Blau, Gelb und Grün gilt auch die Vogelgestalt als wiedererkennbares Merkmal der Miró-Werke. In „La marche pénible“ markiert er einen für den Künstler typischen Dualismus: Das Zusammenspiel von Erdendasein und himmlischer Existenz, von Fleischlichkeit und Spiritualität. In der Ausstellung „Maeght: Das Abenteuer der Moderne“ sind 23 Werke des Spaniers zu sehen.

 

 


zurück zur Übersicht