Auguste Rodin

08.05.2008

Rendezvouz mit Yong-Chang Chung

9. Mai bis 16. Juli 2008

Eine künstlerische Begegnung der besonderen Art zeigt das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster ab dem 9. Mai 2008. Zwei Künstler aus verschiedenen Epochen und Kulturen treffen aufeinander und treten in einen spannungsvollen Dialog. Bis zum 20. Juli zeigt die Ausstellung „Auguste Rodin – Rendezvous mit Yong-Chang Chung“ mit rund 120 Werken die Ergebnisse dieser kreativen Wahlverwandtschaft.

„Ich habe in Paris Rodin getroffen.“ Mit diesen Worten hat der koreanische Künstler Yong-Chang Chung (*1957) eine Folge von 131 Zeichnungen betitelt, die er 2006 in Paris schuf. Während eines zweimonatigen Stipendiums im Pariser Gastatelier „Cité Internationale des Arts“ hatte Chung einen Katalog mit Aktzeichnungen von Auguste Rodin (1840-1917) entdeckt. Dieser Moment wurde für den Koreaner zur schöpferischen Initialzündung. Er löste die einzelnen Katalogseiten heraus und übermalte die Rodin-Repro-duktionen mit schwarzen, oft kalligrafischen Tuschezeichnungen.
Die Bearbeitung eines klassisch kunsthistorischen Themas führte bei Chung zu einer eigenen Ausdrucksform. Der Künstler selbst betont die verschiedenen Dimensionen der neu entstandenen Kunstwerke: „In meiner Arbeit geht es nicht nur um die Verbin-dung von westlichen und östlichen Sichtweisen“, so Yong-Chang Chung. „Hier geht es um Liebe und Macht, um Sex und Unter-drückung, um Geborgenheit und Gefangensein, um Krieg und Frieden, um Verzweiflung und Hoffnung.“

„Chungs Werke sind grafische Anmerkungen zu Rodin und eigenständige Kunstwerke zugleich“, erklärt Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. „Seine Übermalungen werfen beim Betrachter beständig die Frage auf, was sich darunter befindet, was hinzukomponiert wurde und was nicht.“ Es entsteht ein spannungsvoller Dialog zwischen Ober- und Unterbild und zugleich ein Rendezvous zweier Künstler über die Grenzen der Kunstepochen und Kulturen hinweg.

Die Ausstellung „Auguste Rodin – Rendezvous mit Yong-Chang Chung“ stellt den Chung-Werken eine exemplarische Auswahl von Rodin-Zeichnungen aus bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen wie dem Pariser Musée Rodin, der Kunsthalle Bremen und dem Saarlandmuseum in Saarbrücken gegenüber.

Rodins Aquarelle zeichnen sich durch eine auffallende Erotik und Freizügigkeit aus, mit der er die Gemüter seiner Zeitgenossen um die Jahrhundertwende stark erregte. Einige waren derart empört über so viel „Obszönität“, dass sie Frauen vor einem Ausstellungsbesuch warnten. Rainer Maria Rilke hingegen erkannte den künstlerischen Eigenwert der Rodin-Blätter schon früh und spricht von der „ungeheuren Kraft ihres Ausdrucks“. Yong-Chang Chung muss diese Auffassung beim Durchblättern des Rodin-Buches geteilt haben. Während Rilke ihnen eine literarische Würdigung zugedacht hatte, erkannte Chung sogleich ihr kolossales Potenzial für das eigene künstlerische Schaffen.

Der Künstler Yong-Chang Chung lebt seit 20 Jahren in Düsseldorf. Dort hat er als Meisterschüler bei den Professoren Klapheck und Penck an der Kunstakademie studiert.


zurück zur Übersicht