Der Künstler als Gaukler

15.09.2006

15.9.06 bis 7.1.07

Mit dieser Ausstellung unter dem Titel "Der Künstler als Gaukler" widmet sich das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster der bunten Welt der Clowns, Akrobaten und Zirkusartisten. Hierbei wird ein Bogen gespannt, der vom frühen 17. Jahrhundert bis in die Moderne reicht.
Den Auftakt der Ausstellung bilden Jacques Callots virtuose Darstellungen der italienischen Stegreifkomödie "Commedia dell'Arte". Es schließen sich themenverwandte Werke von Honoré Daumier, Edouard Manet und Henri de Toulouse-Lautrec an. Die Darstellungstradition der Gaukler, Pierrots und Harlekine illustriert exemplarisch, wie diese Gestalten im 19. Jahrhundert zu Projektionsfiguren für das Künstlertum schlechthin werden. Auf der Bühne stehen die Spaßmacher im Zentrum des Geschehens, doch bleiben sie letztendlich Außenseiter und Randfiguren der bürgerlichen Gesellschaft.
Die Künstler der Moderne greifen diese Thematik bereitwillig auf. So bevölkern ab 1904 Possenreißer, Akrobaten und Harlekine insbesondere die Werke von Pablo Picasso und Georges Rouault. Das fahrende Volk der Gaukler steht im Zentrum von Picassos "Rosa Periode", die sich von 1904 bis 1906 erstreckt. Eine Werkauswahl von Picassos Landsmann Juan Gris macht im Rahmen der Ausstellung sinnfällig, dass das Thema auch für kubistische Künstler von großem Reiz war.
Im Parcours der Ausstellung schließen sich Werke von Fernand Léger, Henri Matisse und Marc Chagall an. In dessen Schilderungen des Zirkus wird eine eigengesetzliche Traumwelt beschrieben, in der die Gesetzte der Schwerkraft aufgehoben zu sein scheinen.
Mit Exponaten von Max Beckmann und August Macke wird auch die Bedeutung dieser Darstellungstradition für den deutschen Expressionismus beleuchtet. Gleichsam als künstlerische Gegenpole stehen den zarten und verträumten Pierrot-Figuren August Mackes die düsteren und von skeptischer Weltsicht geprägten Maskeraden Max Beckmanns gegenüber.
Die Präsentation vereint insgesamt 90 Werke aus zahlreichen europäischen Museen und Sammlungen. Insbesondere das Pariser Centre Pompidou sowie die Bibliothèque Nationale de France haben dem Museum großzügige Leihgaben gewährt.


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